Landrat Hanno Hurth, Manfred Lucha, Minister für Soziales, Gesundheit und Integration des Landes Baden-Württemberg, Michael Eichhorst, Geschäftsführer ZfP Calw und Emmendingen und Oberbürgermeister Stefan Schlatterer bei der Kranzniederlegung am Euthanasiedenkmal.

Gedenkveranstaltung im ZfP Emmendingen

27.01.2026

Am 27. Januar, dem zentralen Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus, fand im Zentrum für Psychiatrie Emmendingen (ZfP) unter Teilnahme von Manfred Lucha, Minister für Soziales, Gesundheit und Integration des Landes Baden-Württemberg, eine Gedenkveranstaltung statt. In einem würdevollen Rahmen wurde jener Menschen gedacht, die während der Zeit des Nationalsozialismus aufgrund ihrer psychischen Erkrankung verfolgt, deportiert und ermordet wurden. Zudem wurde der Blick auf den bewussten und aufklärerischen Umgang gerichtet, mit dem psychiatrische Einrichtungen heute ihrer eigenen Geschichte begegnen. 

Nach einer Kranzniederlegung am Euthanasiedenkmal durch Minister Lucha, begrüßte Michael Eichhorst, Geschäftsführer der ZfP Calw und Emmendingen, die Gäste in der Festhalle des ZfP Emmendingen. In ihren Ansprachen hoben anschließend der Minister und Stefan Schlatterer, Oberbürgermeister der Stadt Emmendingen, die Bedeutung des Erinnerns sowie der historischen Aufarbeitung am authentischen Ort hervor. Minister Lucha betonte in seinem Redebeitrag: „Demokratie lebt vom Wissen um ihre Geschichte, sie braucht dieses Wissen. Denn es gibt keinen Schlussstrich zwischen dem, was war, und dem, was ist. Die Vergangenheit prägt die Gegenwart. Sie mahnt, was passieren kann, wenn Demokratien zerbrechen und autoritäre und totalitäre Regime an die Macht kommen. Vergangenheit ist damit auch das Fundament für unsere Zukunft. Sie ist der Schlüssel, um Krisen und Herausforderungen zu meistern – heute und in Zukunft. Es ist und bleibt daher unsere Pflicht und unsere historische Verantwortung, die Erinnerung an alle Opfer und Verbrechen des Nationalsozialismus stets wachzuhalten. Die Zentren für Psychiatrie leisten vorbildliche Arbeit. Sie stellen sich dem dunklen Kapitel der Psychiatriegeschichte, informieren, klären auf und hinterfragen und reflektieren auch das eigene Handeln. Damit zeigen sie: Demokratie ist nicht selbstverständlich. Wir müssen hart um sie kämpfen. Und wir müssen stets wachsam sein gegen Intoleranz und Ausgrenzung, Vorurteile und Diskriminierung. Das gilt insbesondere heute, in Zeiten von Krisen, Krieg und Gewalt, in Zeiten, in denen Rechtspopulismus und Extremismus erstarken. Wir alle tragen Verantwortung. Allen Zentren für Psychiatrie im Land danke ich herzlich für ihr unermüdliches Engagement.“ 

Einen inhaltlichen Schwerpunkt der Veranstaltung bildete der Vortrag von Dr. Gabriel Richter, ehemaliger Chefarzt für Alterspsychiatrie und Psychotherapie des ZfP Reichenau. Er machte deutlich, dass die Verbrechen an psychisch erkrankten Menschen Ausdruck systematischer Diskriminierung, Stigmatisierung und einer menschenverachtenden ökonomischen Bewertung von Leben waren. Gleichzeitig unterstrich er den heutigen Auftrag, durch Aufklärung und Sensibilisierung aktiv zum Abbau von Vorurteilen beizutragen und Integration zu fördern¬ – sowohl gesamtgesellschaftlich als auch speziell für psychiatrische Einrichtungen. Besonders die jüngere Generation müsse durch geeignete Formate erreicht werden, um nicht nur die Vergangenheit zu vermitteln, sondern auch die Kenntnis über die moderne Psychiatrie und das Verständnis gegenüber Menschen mit psychischen Erkrankungen zu stärken. 

Allein in der damaligen Heil- und Pflegeanstalt Emmendingen wurden 1.127 Menschen Opfer der Nationalsozialisten. Sie wurden entrechtet, ausgegrenzt, deportiert und ermordet. Zahlreiche weitere Patientinnen und Patienten verhungerten darüber hinaus bis in die Nachkriegszeit hinein in psychiatrischen Anstalten, unter anderem in Emmendingen.  Mit der Gedenkveranstaltung bekräftigte das ZfP Emmendingen sein Selbstverständnis als Ort der Verantwortung – für die Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus ebenso wie für eine offene und solidarische Gesellschaft, in der Menschen mit psychischen Erkrankungen als selbstverständlicher Teil der Gemeinschaft anerkannt und respektiert werden. 

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