Großes Interesse an „Forensik transparent“ am Zentrum für Psychiatrie Emmendingen

Am Mittwoch, 5. Oktober lud das Zentrum für Psychiatrie Emmendingen (ZfP) zur Veranstaltung „Forensik transparent“ ein. Auch wenn es einen echten „Tag der offenen Tür“ im Maßregelvollzug nicht geben kann, gaben Klinikdirektor Dr. Ralf Zehnle und sein Team der Öffentlichkeit nach langer, coronabedingter Pause einen Einblick in ihre Arbeit mit psychisch kranken Straftätern.

In der mit 80 Besucher*innen bestens gefüllten historischen Festhalle des ZfP verdeutlichte Dr. Zehnle den öffentlichen, präventiven Auftrag seiner Klinik. Der Schutz der Allgemeinheit vor erneuten Straftaten stehe im Vordergrund. Die Forensik sei aber kein Gefängnis. Neben dem Sicherungsauftrag habe seine Klinik vor allem einen Behandlungs- und Resozialisierungsauftrag, so Dr. Zehnle.

Wie facettenreich und anspruchsvoll sich die Behandlung forensischer Patient*innen im Spannungsfeld zwischen Zuwendung und Kontrolle gestaltet, konnte die forensische Pflegeexpertin Gitte Herwig anschaulich vermitteln. „Stellen Sie sich vor, Sie wären sämtlicher Freiheiten weitgehend beraubt und wüssten zunächst gar nicht für wie lange“, forderte Frau Herwig das Publikum auf. „Entscheidend für eine erfolgreiche Therapie sei eine belastbare professionelle Beziehung des Behandlungsteams zu den Patient*innen“, schloss sie ihren Vortrag.

Sporttherapeut Jörg Luthardt bezog das Publikum direkt mit ein in Fragen rund um das Thema Gewalt. „Wer nicht an Gewalt denkt wird eher nicht gewalttätig.“ In seinem Gewaltpräventionstraining werden vor allem über Körperübungen selbst erlebte und anderen zugefügte Aggressionstaten behutsam thematisiert, um daraus individuelle gewaltpräventive Strategien zu entwickeln.

Regen Beifall erhielt ein langjähriger forensischer Patient mit dem Künstlernamen „Malie Pang“ für seine virtuosen und berührenden Eigenkompositionen am Klavier.

Mit besonderer Spannung erwartet: ein Patient, der im Dialog mit Oberarzt Daniel Sanford den lebensgeschichtlichen Hintergrund seiner Suchterkrankung und den Verlauf seiner Behandlung eindrücklich vermittelte. Mit Hilfe der breit aufgestellten Behandlungsangebote in der Forensischen Klinik habe er seinen Vorsatz, seinem Leben eine Wende zu geben, umsetzen können. Seine Schilderungen und seine Bereitschaft, Fragen aus dem Publikum zu beantworten, trugen ihm viel Respekt und Anerkennung ein.

Zum Abschluss konnten Interessierte noch einen Blick hinter den Zaun nehmen: Neben der Möglichkeit, forensische Behandlungsräumlichkeiten zu besichtigen, stieß vor allem die Vorstellung einer forensischen Suchtbehandlungsstation auf großes Interesse.

Aufgrund der guten öffentlichen Resonanz versprachen Dr. Zehnle und sein Team: das nächste „Forensik transparent“ werden wir schon 2023 anbieten.